MÄRKTE USA/Powell trägt nicht mehr - Dow dank Unitedhealth über 27.000

12.07.2019 / 05:10 Uhr

NEW YORK (Dow Jones)--Die Zinssenkungssignale, die US-Notenbankchef Jerome Powell am Mittwoch ausgesandt hatte, haben den US-Börsen am Donnerstag keinen merklichen Schub mehr gegeben, auch wenn der Dow-Jones-Index auf ein Rekordhoch stieg. Erstmals überwand der Index die Marke von 27.000 Punkten. Steigende langfristige Zinsen am Anleihemarkt hätten das Interesse an Aktien gedämpft, berichteten Marktteilnehmer.

Der Dow verdankte sein Plus vor allem der Aktie von Unitedhealth, die von einer gesundheitspolitischen Entscheidung der US-Regierung profitierte und um 5,5 Prozent zulegte. Die Titel des Krankenversicherers verfügen über das zweitstärkste Gewicht im Index nach der Boeing-Aktie, die ebenfalls zu den größten Gewinnern zählte und um 1,9 Prozent vorrückte.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,8 Prozent höher bei 27.088 Punkten. Der S&P-500 stieg um 0,2 Prozent und der Nasdaq-Composite sank um 0,1 Prozent. Dabei wurden 1.400 Kursgewinner und 1.542 -verlierer gesehen, unverändert schlossen 86 Titel.

Die Aktien von Unitedhealth und anderen Krankenversicherern legten kräftig zu, nachdem die US-Regierung beim geplanten Verbot von Rabatten der Pharmaindustrie für sogenannte Pharma Benefit Manager (PBM) zurückgerudert war. Die PBM handeln im Auftrag staatlicher und privater Krankenversicherer mit den Pharmaherstellern und Apotheken die Arzneimittelpreise aus. Das System ist auch in der US-Regierung umstritten. Nach Ansicht von Kritikern treibt es die Medikamentenpreise künstlich nach oben, weil unklar sei, welchen Teil der Rabatte die PBM selbst einstrichen. Letztlich setzten sich jedoch diejenigen durch, die befürchten, dass ohne die Rabatte die Preise noch höher wären. Unter den anderen PBM-Betreibern verteuerten sich Cigna um 9,2 Prozent und CVS um 4,7 Prozent. Der Kurs des Pharmagroßhändlers McKesson stieg um 2 Prozent.

Aktien von Pharmaherstellern wurden hingegen verkauft, denn in einer Stellungnahme sagte eine Sprecherin des US-Präsidenten, dass dieser nach wie vor deutlich niedrigere Medikamentenpreise anstrebe. Präsident Trump hat die Pharmaindustrie wiederholt scharf wegen ihrer Preispolitik angegriffen. Im Dow verloren Johnson & Johnson 0,8 Prozent, Pfizer 2,5 Prozent und Merck & Co 4,5 Prozent.

Die Anhörung und Befragung Powells vor dem Bankenausschuss des Senats am Donnerstag gab dem Aktienmarkt keine neuen Impulse. Der Notenbankchef wiederholte im wesentlichen seine Aussagen vom Vortag.

Neue Konjunkturdaten aus den USA lieferten derweil kein zusätzliches Argument für Zinssenkungen. Denn die Verbraucherpreise zogen etwas stärker an als erwartet, während die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten leicht besser ausfielen als prognostiziert.

 
Inflationsdaten treiben Langfristzinsen 
 

US-Anleihen liefen mit den Inflationsdaten nach unten. Die Daten dämpften auch das Interesse an der Auktion 30-jähriger US-Anleihen, denn Langläufer gelten als anfälliger für eine höhere Inflation als Anleihen mit kürzeren Laufzeiten, weil die Gefahr größer ist, dass die Teuerung die Rendite auffrisst. Die Zehnjahresrendite stieg um 7 Basispunkte auf 2,13 Prozent.

Die Dollarschwäche des Vortags setzte sich am Donnerstag zunächst noch ein wenig fort, doch holte der Greenback mit den gestiegenen Verbraucherpreisen die Tagesverluste fast vollständig auf. Powells taubenhafte Signale während seiner Anhörung vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses hatten die US-Devise am Mittwoch auf breiter Front nach unten geführt. Im späten US-Handel am Donnerstag stand der Euro bei rund 1,1260 Dollar nach 1,1250 Dollar am späten Mittwoch.

Beim Öl kam es nach dem jüngsten kräftigen Anstieg zu kleineren Gewinnmitnahmen. Zuletzt stützten die anlaufende Hurrikansaison im Golf von Mexiko und die sinkenden US-Lagerbestände. Zudem verschärft sich die Irankrise weiter mit der versuchten Attacke des Landes auf einen britischen Tanker im Persischen Golf. Das Barrel der US-Sorte WTI ermäßigte sich nun um 0,4 Prozent auf 60,20 Dollar, Brent sank um 0,7 Prozent auf 66,52 Dollar.

Auch beim Gold wurden mit den höheren Teuerungsdaten ein paar Gewinne mitgenommen. Zuletzt hatte der Preis von der Zinssenkungsfantasie profitiert. In einem Umfeld hoher Zinsen wird Gold oftmals verkauft, da es als zinsloses Investment gegenüber anderen Assets ins Hintertreffen zu geraten droht. Nun gab der Preis für die Feinunze 0,9 Prozent ab auf 1.407 Dollar.

 
Schwache Zahlen belasten Bed Bath & Beyond 
 

Für Bed Bath & Beyond ging es 3 Prozent nach unten. Der Inneneinrichter hatte das zweite Quartal in Folge einen Verlust gemeldet, erneut belastet von hohen Abschreibungen unter anderem auf den Unternehmenswert. Gleichzeitig sank der Umsatz.

Delta Air sieht optimistisch nach vorn. Nach Wettbewerber American Airlines erhöhte auch diese US-Fluglinie ihre Prognosen und will mehr Dividende zahlen. Die Aktie kletterte um 1,2 Prozent nach oben.

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INDEX            zuletzt      +/- %       absolut      +/- % YTD 
DJIA           27.088,08       0,85        227,88          16,12 
S&P-500         2.999,91       0,23          6,84          19,67 
Nasdaq-Comp.    8.196,04      -0,08         -6,49          23,52 
Nasdaq-100      7.896,78      -0,08         -6,63          24,75 
 
US-Anleihen 
Laufzeit         Rendite   Bp zu VT    Rendite VT      +/-Bp YTD 
2 Jahre             1,86        3,7          1,83           66,2 
5 Jahre             1,88        5,8          1,82           -4,2 
7 Jahre             1,99        6,6          1,93          -25,3 
10 Jahre            2,13        6,9          2,06          -31,4 
30 Jahre            2,65        7,3          2,58          -41,7 
 
DEVISEN          zuletzt      +/- %  Do, 8:30 Uhr  Mi, 17.23 Uhr    % YTD 
EUR/USD           1,1256     +0,01%        1,1268         1,1248    -1,8% 
EUR/JPY           122,07     +0,05%        121,71         122,00    -2,9% 
EUR/CHF           1,1143     +0,07%        1,1122         1,1133    -1,0% 
EUR/GBP           0,8987     -0,14%        0,8995         0,9002    -0,1% 
USD/JPY           108,45     +0,04%        108,02         108,46    -1,1% 
GBP/USD           1,2524     +0,15%        1,2526         1,2497    -1,9% 
Bitcoin 
BTC/USD        11.583,75     -2,89%     11.391,75      12.364,00  +211,4% 
 
ROHOEL           zuletzt  VT-Settl.         +/- %        +/- USD    % YTD 
WTI/Nymex          60,45      60,43         +0,0%           0,02   +27,0% 
Brent/ICE          66,78      67,01         -0,3%          -0,23   +20,9% 
 
METALLE          zuletzt     Vortag         +/- %        +/- USD    % YTD 
Gold (Spot)     1.407,18   1.418,90         -0,8%         -11,72    +9,7% 
Silber (Spot)      15,14      15,25         -0,7%          -0,11    -2,3% 
Platin (Spot)     823,50     827,00         -0,4%          -3,50    +3,4% 
Kupfer-Future       2,69       2,70         -0,3%          -0,01    +1,6% 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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July 11, 2019 16:11 ET (20:11 GMT)

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